Editorial

Bernadette Schier

Die „närrischen“ Tage sind vorbei, jetzt werden Kostüme, Perücken, Federboas und Pappnase wieder in Kisten auf dem Dachboden verstaut.

Wie schön war es doch, einmal als Clown oder als Gardemädchen durch die Welt zu tanzen und sich einfach einmal anders als sonst zu benehmen.


Als Kind fiel einem dieses Spiel noch leichter, es brauchte keinen Narrhallamarsch und kein Humbatäterä für die Maskerade. Da reichte eine über den Tisch gezogene Wolldecke und schon war man Räuberhauptmann im Versteck oder Indianer im heimischen Tipi. Draußen wurden schmale Wanderwege zu gefährlichen Schneisen durch einen nahezu undurchdringlichen Urwald, und ich erinnere mich noch sehr genau an eine – zurückhaltend formuliert – Magenverstimmung, weil ich Zahnpasta kurzerhand zu Astronautennahrung umfunktioniert hatte.


Im Laufe des Erwachsenwerdens ist mir dieses Talent zum fantasievollen Spiel leider  unwiederbringlich abhanden gekommen und ich beobachte  gerade während der Fastnachtszeit oder beim Bauerntheater erstaunt, wie vielen Menschen diese Leidenschaft erhalten geblieben ist. Nur kein Neid, denke ich mir dann, denn wie heißt es doch so schön: Es muss auch Zuschauer geben.

 
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